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Mary Bauermeister

November 12, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

“Meine Villa ist ein Märchenreich aus einem Guss. Ich stelle mir die Welt so vor, dass jeder, der etwas hat, es mitbringt und teilt.”

Mary Bauermeister wurde am 7. September 1934 in Frankfurt/Main geboren, lebt und arbeitet in Köln und New York. Ihre Werke sind in allen wichtigen amerikanischen Museen sowie in deutschen und amerikanischen Privatsammlungen vertreten.

Von 1960-62 organisierte sie in ihrem legendären Kölner Atelier in der Lintgasse 28 experimentelle Ausstellungen, Lesungen und Konzerte u.a. mit John Cage, George Brecht, Nam June Paik, Merce Cunningham, Benjamin Patterson und Wolf Vostell.
Diese Etappe der künstlerischen Umorientierung gegenüber anderen Bewegungen in Kunst und Kultur, die später Fluxus genannt wurde, trug erheblich zur Entwicklung der Kunst- und Kulturszene bei.

Große künstlerische Erfolge feierte Bauermeister in New York mit ihren sogenannten Linsenkästen, die in zwei oder drei gläsernen Bildebenen den Betrachter zur genauen Beobachtung anregen.
In New York pflegte sie Freundschaften mit Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely.

Das Kölner Museum Ludwig erwarb anlässlich ihres 70. Geburtstags ihre 1963 entstandene Wandinstallation Needless needles , andere Arbeiten wie Musicbox (1968), Rotes Magnetbild (1959), Studiofetisch (1970) und Fünf Totenhemden (1963) sind im Schweriner Museum beheimatet.

Ihre aktuelle Ausstellung Welten in einer Schachtel ist noch bis zum 16.01.2011 im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen zu sehen.

Wir besuchten Mary Bauermeister in ihrer Villa in Forsbach bei Köln.

© Weigand


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Das große Haus mit Park und 150 Jahre altem Buchenwald ist nicht nur Mary Bauermeisters Heimat, sondern bietet in zahlreichen Pavillons und Zimmern vielen jungen Künstlern Unterkunft und Arbeit.
Einmal im Monat treffen – wie vor vierzig Jahren im Kölner Atelier – Kulturmacher, Künstler und Interessierte in dem weitläufigen Anwesen zusammen, um unkonventionell, aber hoch kulturell miteinander zu kommunizieren.

Und dennoch ist Bauermeister dieser Ort so unwichtig und wichtig wie jeder Platz auf der Welt. Nach der Trennung von ihrem Ehemann, dem Komponisten Karlheinz Stockhausen ist er zu ihrer Heimat geworden.
“Eine Partnerschaft ist nicht mehr stimmig, wenn ich nicht mehr das Beste aus dem anderen herausholen kann. Wenn ich merke, ich beflügele den anderen nicht mehr so, dass er über sich heraus wächst, muss ich mich trennen.”
So verbrachte sie mit ihren vier Kindern viele Jahre alleine in diesem Zuhause.
Es war ihr Versuch als Künstlerin ohne Zwang von Partnerschaft zu leben und die Chance der eigenen Intuition zu folgen.

“Ich habe immer Künstler zusammen gebracht. Ich war eine gute Muse, denn ich konnte andere inspirieren. Aber ich war nie eine gute Frau oder Geliebte. Dafür war ich zu eigenwillig.”

Zehn Jahre lang beschäftigte sie sich mit Grenzwissenschaften, Heilung, Symbolen, Farben und deren Energien. Diese Forschung habe sie gelehrt, die geistigen Kräfte, die hinter den Dingen stehen zu berücksichtigen.
“Aber ich huldige diesen Dingen nicht mehr. Wenn irgendwelche Spinner loslegen, weiß ich jetzt in welcher Phase sie gerade sind.”

© Weigand

Für die Arbeit an einem Buch über Karlheinz Stockhausen ist sie mit Sack und Pack aus der Villa ausgezogen. Nur die wichtigsten persönlichen Sachen sowie Tagebuchnotizen, Briefe und ihre Erinnerungen hat sie mitgenommen, denn:
“In diesem Bollwerk des Matriarchats kann ich keine Verherrlichung über meine große Liebe schreiben.”
Nun lebt sie zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Forsbach.

Dort will sie auch bleiben. “Ich bin gerne die Maitress de Plaisir, aber ich möchte zwischendurch sterben und Rückschau halten.
Ich bin zu neugierig, ich werde nicht mehr so urlange auf der Welt bleiben wollen.”

Das “Märchenreich aus einem Guss” beherbergt Antiquitäten, ein literarisches Antiquariat sowie Kunst von ihr und anderen Künstlern. Nach ihrem Tode soll es von einer Stiftung verwaltet werden, denn für ein Museum sei sie nicht bedeutend genug, meint die bescheidene Künstlerin.