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Hans Kaspers

Dezember 07, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

“Manchmal ist es notwendig, den Blick bewusst auf Dinge zu richten, die man sonst nicht wahrnehmen würde.”

Hans Kaspers ist Inhaber der HKP-Unternehmensgruppe, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für Zeitarbeit und Personaldienstleistungen und in dieser Funktion Regionalsprecher für NRW.
Außerdem arbeitet er im Rentenausschuss der VBG sowie im IHK-Ausschuß für Gastronomie, Touristik und Freizeit und bekleidet Ehrenämter in Beiräten verschiedener Mietverwaltungen.

Wir trafen den vielbeschäftigten Unternehmer in der Synagoge in Pulheim-Stommeln.

© Weigand


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Versteckt im Hinterhof der Gemeinde Pulheim-Stommeln, hinter dem Haus Nr. 85 befindet sich die kleine Synagoge. Sie wurde 1831/32 auf einem Grundstück, welches der Gemeindevorsteher für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatte, errichtet und 1882 in der jetzigen Form fertig gestellt.
Etwa 40 Juden lebten 1890 in der jüdischen Gemeinde Stommelns.

© Weigand

© Weigand

Das Kunstprojekt Synagoge Stommeln wurde 1991 vom damaligen Pulheimer Kulturdezernenten Dr. Gerhard Dornseifer initiiert.
Er hatte die Idee namhafte Künstler nach Stommeln einzuladen und brachte sie dazu, ihre Kunst in Wechselbeziehung zum geschichtlichen Spannungsfeld des Raumes zu setzen.
Die ersten Künstler waren Jannis Kounellis, Richard Serra, es folgten
Georg Baselitz, Rebecca Horn und viele mehr.
Großes internationales Aufsehen, aber auch Aufruhr und Empörung erregte 2006 Santiago Sierras Inszenierung “245m³”.
Sechs Pkws leiteten Abgase aus den Auspuffrohren in das Innere der Synagoge und für Besucher der Kunstaktion war es notwendig eine Atemschutzmaske zu tragen.

Mit „Multiplikationen, Arbeit in situ für eine Synagoge“ von Daniel Buren wurde im August diesen Jahres das aktuelle Kunstprojekt in Stommeln eröffnet.

Beim Eintritt in den kleinen Raum sind wir überwältigt von der großen Wirkung dieser Installation. Was spiegelt sich in einem Spiegel, der sich in einem Spiegel spiegelt?

pixelio

© Albrecht E. Arnold / pixelio.de

(Anmerkung: Leider wurde uns die Veröffentlichung eines Fotos der Installation aus urheberrechtlichen Gründen untersagt.)

An diesen Ort findet jeder, was er selbst mit hinein bringt. So will es der Künstler und auch Kaspers eröffnet diese Umgebung eine eigene Gedankenwelt.
“Die kleine Synagoge war für manche Menschen eine große Welt.”
Der werteorientierte Unternehmer denkt selbst gerne ganzheitlich und ist immer offen für Neues.
Von Daniel Burens Vorgabe, Historisches auf andere Weise zu betrachten, ist der Frirmenchef fasziniert.
“Es gibt so vieles in der Historie, was man einfach nicht begreifen kann. Und wer weiß schon, was vor seiner Haustür wirklich passiert?”

So wie Buren vorhandene Strukturen und architektonische Besonderheiten des Ortes sichtbar werden lässt, setzt auch Kaspers in seiner Firmenphilosophie auf klare Ordnungen, aber auch auf Bewegung und Veränderung.
Von seinen Mitarbeitern fordert er dabei ein hohes Maß an Eigenverantwortung.

Oft fragt sich der Unternehmer, wie es wohl in der Zukunft, in hundert Jahren sein wird. “Wird sich Geschichte wie in diesem Spiegelkabinett wiederholen? Was wird übrig bleiben von dem, was wir selbst initiiert haben?”

Einen Brief, den sein Großvater vor hundert Jahren von einem Kriegskameraden erhalten hatte, hat sich Kaspers einrahmen lassen. “Das Dokument zeigt, wie viel Aufwand jemand vor vielen Jahren betreiben musste, um Glückwünsche oder Ähnliches auszurichten. Darüber machen wir uns im Zeitalter des E-Mail-Verkehrs doch in der Regel keine Gedanken mehr.”

Jenseits des Bildes, jenseits der Kunst eröffnet Daniel Burens Installation also jedem ein ganz persönliches Spiegelsystem und erlaubt vielfältige Assoziationen. Und so hätten wir noch stundenlang an diesem Ort verweilen können.