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Aljosha

Dezember 27, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

“Jeden Künstler inspiriert das Lebendige. Deshalb sind alle meine Werke Lebewesen. Ich kreiere eine neue Lebensform.”

Aleksey Alekseevich Potupin alias Aljosha wurde 1974 in Glukhov, Ukraine geboren.
In den Jahren 2001-2002 studierte er als Gasthörer an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Prof. Konrad Klapheck) und fand 2003 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Düsseldorf.
2006 nahm Aljoscha an der Internationalen Akademie für Bildende Kunst in Salzburg Unterricht bei Shirin Neshat und Shoja Azarai.
Seine Kunstwerke wurden mehrfach ausgezeichnet. So gewann der ukrainische Künstler 2008 in Valencia (Spanien) den “Premio Bancaja” (1. Preis in Bildhauerei) und 2009 in Köln den “Kunstpreis Schlosspark 2009″.

Mittlerweile kann Aljosha auf viele Ausstellungen im In- und Ausland verweisen. “Biofuturism” hieß die Ausstellung seiner Arbeiten im Krefelder Kunstverein (2009),
“The children of Daedalus” heißt seine aktuelle Schau, die noch bis zum 23.01.2011 im Rahmen der International Fine Arts (DIFA) in Thessaloniki (Griechenland) zu sehen ist.

Aljosha wird vertreten von der Galerie Beck & Eggeling in Düsseldorf.

Wir trafen den bescheidenen Künstler in einer beeindruckenden Künstler-Villa in Düsseldorf-Oberkassel.

© Weigand


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“Hinauf” lesen wir über der Eingangstür.

“Hinauf” steht nicht nur für die Verbundenheit mit der griechischen Mythologie, die der Hausbesitzerin eigen ist, sondern auch für den stetigen Verlauf der Karriere dieses dort lebenden und arbeitenden ukrainischen Bildhauers, Malers und Objektkünstlers.

Beim Gang durch das große Haus, der wie im Labyrinth an immer neuen Türen, Aufgängen und Zugängen mündet, meint Aljosha:
“Ich lebe hier wie ein ‘Kunsteremit’. Manchmal gehe ich wochenlang nicht vor die Tür.”

© Weigand

Das glaubt man sofort, wenn man die im Gebäude verteilten Installationen, Gemälde und Zeichnungen sieht, die in unglaublicher Präzisionsarbeit entstehen.
Seine Zeichnungen, die akribisch, fein und allein mit dem Bleistift wiedergegeben sind, betrachtet Aljosha als „Quintessenz“.
Sie entstehen aber nach den plastischen Arbeiten.

Da stellt sich uns unweigerlich die Frage: Welche Rolle spielt Zeit für Aljosha? Und: Wie lange dauert die künstlerische Arbeit an einem Gemälde, Objekt oder einer Zeichnung?
“Wie lange ist kein Argument. Ich arbeite häufig an vielen Projekten gleichzeitig.”

© Weigand

Aljoscha erschafft seine filigranen Installationen in einem aufwendigen Prozess aus Acryl (Kunstharz).

Die sorgsam aufgetragenen Acrylfäden bilden Netze sowie Verästelungen und erinnern an amorphe Stoffe. Es entstehen aber keine kristalline Formen, alle Werke besitzen ungeordnete Strukturen.

Weil das Kunstharz sehr schnell härtet, scheinen die feinen Gebilde manchmal wie im Wachsen erstarrt zu sein.

“Viele Betrachter bezeichnen meine Werke als Schwämme oder Kristalle. Sie wollen es strukturieren, einordnen. Aber mich interessiert nicht die Ordnung, sondern die Komplexität. Ich betrachte meine Installationen als Lebewesen.”

© Weigand

Aljosha sieht sich nicht als Interpret, sondern als Komponist.
“Ich erschaffe zukünftiges, organisches Leben, also neuartige Dinge, die noch nie zuvor da waren.”

Bei der Schöpfung seiner eigenen, biometrischen Lebensformen
inspiriert den Künstler die Biologie und ihre Forschungen für Zellstrukturen, aber auch die Mythologie, die in dieser Villa, die laut Wandzitat aus den “Steinen des Himmels” gebaut wurde, überall vorherrscht.

“Auf der Peripherie des Kreises fallen Anfang und Ende zusammen. [...] Der Weg hinauf und hinab ist ein und derselbe.” Heraklit
Und so verlassen wir voller lebendiger außer-ordentlicher Eindrücke Haus und Künstler.