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Gregor Zootzky

März 30, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein 1 Kommentar →

“Ich mag die Zwischenwelt. Hermaphroditismus ist mein aktuelles Thema!”

Gregor Zootzkys neuestes Filmprojekt behandelt ein altes und dennoch vielen Menschen wenig bekanntes Phänomen: Intersexualität oder Zwischengeschlechtlichkeit.

Der Künstler und Filmemacher wurde 1971 in Adenau geboren. Aufgewachsen in der Umgebung von Bad Münstereifel schloss er zunächst eine Ausbildung zum Tischler ab, besuchte später ein Art College der staatlichen Kunst- und Kultureinrichtung National Gallery of Namibia in Windhoek und erlernte manuelle Druckgrafiken.

© Weigand

An der ABK (Akademie Beeldende Kunsten) in Maastricht studierte Zootzky Bildende Kunst mit Schwerpunkt Malerei.
Eine Teilnahme am EU-Austauschprogramm Erasmus ermöglichte ihm, ein Semester an der Kunstakademie in Prag (VSUP) zu studieren.
Die Kunstakademie verließ er mit dem niederländischen Diplom, um kurz darauf in Köln an der Weiterbildung „traditioneller Zeichentrickfilm“ der ifs Internationale Filmschule teilzunehmen.

Bis heute hat Zootzky nicht nur an vielen Zeichentrick- und Kurzfilmprojekten, sondern auch an Langfilmen wie Der Kleine Eisbär 2 und Kleiner Dodo mitgearbeitet.

Inspiriert durch eine jahrelange Künstlerassistenz bei der Künstlerin Mary Bauermeister produzierte der Filmemacher 2009 seinen ersten geförderten Film psst pp Piano – Hommage à Mary Bauermeister.
Von der FBW Deutsche Film- und Medienbewertung wurde der Animationsfilm mit dem höchsten Prädikat „besonders wertvoll“ und zum Kurzfilm des Monats März 2010 ausgezeichnet.
Gregor Zootzky lebt und arbeitet in Köln.

Wir trafen Gregor Zootzky am Japanischen Kulturinstitut in Köln.

Träger, dieser im Jahre 1969 von der japanischen Regierung gegründeten Kultureinrichtung, ist The Japan Foundation.
Die Japan Foundation unterhält in Rom und Paris noch weitere europäische Kulturinstitute und verfolgt das Ziel, das Verständnis für die japanische Kultur und Kunst zu fördern sowie sprach- und gesellschaftswissenschaftliche Japanstudien im gesamten europäischen Raum zu stärken und auszuweiten.

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In den Räumen des Japanischen Kulturinstituts finden regelmäßig Ausstellungen sowohl zeitgenössischer als auch traditioneller Kunst statt.
Im Rahmen von Filmreihen werden japanische Regisseure vorgestellt und Vortragsreihen sowie Bühnenvorführungen mit Bezug zu Japan veranstaltet.
Gregor Zootzky stellt hier nicht nur einen Bezug zu seiner beruflichen Tätigkeit her, sondern traf die Ortswahl auch angesichts der aktuellen Ereignisse in Japan.

“Ich will mich den japanischen Menschen gegenüber solidarisch erklären. Gerade jetzt habe ich wieder viel gelernt. Wir müssen umdenken. Jetzt und hier”, so der Künstler.

Das dritte Geschlecht – Mythologie und gesellschaftliche Randstellung

© Weigand

Gregor Zootzky mag es Geschichten zu erzählen.
Aber “Ich will Themen darstellen, von denen die Gesellschaft profitiert”, betont der Filmemacher.

Ausgangsmaterial seiner Filme sind viele Einzelbilder.
Dazu zeichnen er und sein Team viele Tage, Wochen und Monate Bild für Bild.
In der richtigen Reihenfolge auf Film aufgenommen, wird eine flüssige Bewegung erzeugt und es entsteht ein Animationsfilm.

Sein aktuelles Projekt wird eine Dauer von 10 Minuten haben und trägt den Titel Hermaphrodit.

Ursprünglich ist Hermaphroditos (griechisch Ἑρμαφρόδιτος) eine in der Griechischen Mythologie verehrte männliche Gottheit. Nachdem durch das Wirken der Götter sein Körper mit dem der Nymphe Salmakis verschmolzen wird, wird er zum Zwitter, der somit sowohl männliche als auch weibliche körperliche Merkmale aufweist.

© Weigand

In der Biologie bezeichnet Hermaphroditismus oder Zwittrigkeit bzw. Zwittertum doppelgeschlechtliche Individuen, also Individuen mit männlicher und weiblicher Geschlechtsausprägung.
Insbesondere im Pflanzenreich und bei wirbellosen Tieren ist die Zwittrigkeit weit verbreitet.

Die heutige Bezeichnung von intersexuellen Menschen als Hermaphroditen bzw. das Phänomen des Hermaphroditismus gilt als Anlehnung an den griechischen Mythos.

In der literarischen Bearbeitung fand das Thema im Jahr 2003 große Beachtung. Jeffrey Eugenides erhielt für seinen Roman „Middlesex“ den Pulitzer-Preis.

Nicht nur Eugenides Roman sondern auch viele andere literarische und wissenschaftliche Quellen, Gespräche mit Betroffenen sowie der Besuch einer Konferenz des Deutschen Ethikrats in Berlin inspirierten den Filmemacher Zootzky zu der Filmidee.
“Das ist ein Thema, da spricht man nicht gerne drüber. Intersexualität stellt das ganze Leben auf den Kopf. Ich mag Grenzthemen. Mich interessiert die Mythologie, aber auch die gesellschaftliche Randstellung.”

Im Sommer 2011 wird Gregor Zootzky mit der Filmarbeit beginnen und das Werk soll spätestens im Sommer 2012 fertiggestellt sein.
Denn so der Künstler: “Manche Filmemacher arbeiten 3 Jahre an Filmen, die 4 Minuten dauern. Das langweilt mich.”