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Begegnungen
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Artikel der Kategorie April, 2011

Yasemin und Ali Balaban

April 30, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Kulturelle Vielfalt – gelebte Integration

Ali Balaban, 1957 in Istanbul geboren, führt seit über 30 Jahren das Restaurant Bosporus in der Kölner Weidengasse.
Der leidenschaftliche Gastronom absolvierte erfolgreich ein Architekturstudium an der Fachhochschule in Köln, bevor er sich 1983 in der Gastronomie selbstständig machte.

Balabans Philosophie war es immer, Menschen in der Funktion eines Brückenbauers zusammenzuführen, sie miteinander in Kontakt zu bringen und etwas zu ihrem Wohlbefinden beizutragen.
Von dieser Devise lässt er sich bis heute leiten.


Yasemin Balaban, ist Groß- und Außenhandelskauffrau, arbeitete in der Marketingabteilung von Aurora und ist derzeit im Bereich Immobilien der GALERIA Kaufhof GmbH tätig. Im Bosporus ist sie für die PR und das Wohl der Gäste zuständig.

Das Ehepaar betrachtet Essen als soziales Ereignis und Brücke zwischen den Kulturen.
Dabei sind beide überzeugt, dass eine Integration nur gelingen kann, wenn man sich die Wurzeln der eigenen Kultur bewahrt und sich ihrer von Zeit zu Zeit vergewissert.

Und so ist das Bosporus nicht nur eines der in Köln ältesten und bundesweit angesehensten türkischen Restaurants mit konstant hochwertiger türkischer Küche, sondern auch “Tourismusbüro” sowie Auskunftsstelle für viele Belange des täglichen Lebens.


Die legendäre Weidengasse
Wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, zwischen dem Eigelstein und dem Hansaring bietet die Weidengasse ein anderes Stück Kölns.
In dieser Straße leben Gegensätze miteinander. Zahlreiche Kulturen und Nationalitäten begegnen sich auf engem Raum und es findet eine bunte Mischung orientalischen und südländischen Lebens und Arbeitens statt.

Vor einigen Jahrzehnten trauten sich viele Gäste, insbesondere Frauen nur mit Bodygards in dieses Viertel. Dazu, dass sich die Menschen nun wieder sicher fühlen und auch die Wohnqualität aufgewertet wurde, haben Yasemin und Ali Balaban einen großen Beitrag geleistet.
Denn so Yasemin Balaban: “Als immer mehr Menschen zu uns gekommen sind, um von ihren Sorgen in diesem Viertel zu berichten, mussten wir etwas tun.”
So gründeten die Eheleute vor 10 Jahren eine Interessengemeinschaft.
In dieser parteiunabhängigen Initiative versammelten sie Anwohner, alteingesessene Geschäftsinhaber, Vertreter der Stadt Köln, Polizei, Integrationsamt und Ordnungsamt.
Was zunächst als lose Versammlung gestartet wurde, hat sich nun zu einer festen Initiative entwickelt, die sich quartalsweise trifft und viele konkrete Erfolge erzielt hat.

Nicht nur eine Frage der Persönlichkeit, der Haltung und Einstellung, sondern auch der Ehre!


Wenn er ein wesentliches Ziel seiner täglichen Arbeit als Restaurantchef nennen sollte, dann “Alle meine Gäste sollen sich wohlfühlen und später glücklich das Restaurant verlassen”, so Ali Balaban.
Diese Einstellung hat Balaban vor über 5 Jahren die Mitgliedschaft in der „Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs“ beschert, eine Ehre die dem Bosporus als einzigem türkischen Restaurant in Deutschland zuteil wurde.

Balaban, der auch das Berufskolleg – Hotelfachschule berät, ist der Überzeugung, in der Gastronomie brauche es Bildung, Disziplin und Durchhaltevermögen.
Und so führt der Quereinsteiger das Restaurant und den Cateringservice (u.a. als Partner der Stadt Köln und Exklusivpartner des Schokoladenmuseums für türkische Küche) gut strukturiert und mit ganz persönlicher Note.

Denn so Balaban: “Es reicht nicht wenn sich niveauvolle Gastronomie durch hervorragende Küche auszeichnet. Es gehört schon etwas mehr dazu. Ohne Liebe geht es nicht.”


Ali Balaban ist nicht nur ein kreativer Gastronom, sondern er vertritt eine eigene Philosophie im Umgang mit den Menschen.
Ob Staatsgast, Prominenter oder Normalbürger, jeden Gast behandelt Balaban gleich gut.
Zu seinen Gästen gehörten bereits Politprominenz wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Ex-Bundespräsident Horst Köhler, sowie Schauspieler Götz George und die Moderatoren Alfred Biolek und Margarethe Schreinemakers.
Einige sind bis heute Stammkunden geblieben.

Grundsätzlich werben die bescheidenen Eheleute nicht mit ihren prominenten Gästen. Deshalb findet man im Restaurant – anders als in anderen Lokalen – kein einziges Foto von den Gastronomen zusammen mit Prominenten.
Auch die Presse muss draußen bleiben.

Vor einigen Jahren hatte der Kölner Galerist Michael Werner das Bosporus für 30 Personen gemietet.
An einer langen Tafel feierten u.a. Künstler wie Penck, Baselitz, Immendorf und Lüpertz zu orientalischer Musik und Darbietungen.
Die Gesellschaft hatte sich statt für ein Lokal in Paris oder New York für das Kölner Restaurant Bosporus entschieden.


Am Ende durften auch wir uns nicht nur von der familiären Atmosphäre, sondern auch von der vorzüglichen türkischen Küche, die von Chefkoch Seydi Citak
zubereitet wird, überzeugen.

Das war sicher nicht unser letzter Besuch bei Yasemin und Ali Balaban.

Cora Stephan

April 13, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

“Schreiben ist wie das Formen einer Skulptur. Ich schnitze solange bis alles sitzt. “

Dr. Cora Stephan, 1951 bei Osnabrück geboren und aufgewachsen, studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Hamburg und Frankfurt am Main. 1976 promovierte sie über die Geschichte der Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert.


Die Schriftstellerin und Publizistin lehrte an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität (1976 bis 1983), arbeitete als Rundfunkmoderatorin, Lektorin und Journalistin (“Pflasterstrand”, “Spiegel”) und publizierte Essays und Kommentare.

In ihrem ersten Buch „Genossen, wir dürfen uns nicht von der Geduld hinreißen lassen!“ (1979) beschrieb sie die Anfänge der Sozialdemokratie.
Mit „Ganz entspannt im Supermarkt“ (1985) wurde sie Bestsellerautorin.

Seit 1987 arbeitet Cora Stephan als freie Publizistin, Kolumnistin und Essayistin (u.a. für alle Rundfunkanstalten, die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, die “Welt”) sowie als Buchautorin und Vortragende.




Themen ihrer Veröffentlichungen sind: Geschichte und Politik, Frauen und Wirtschaft, Alter und Demografie.

Desweiteren war die Publizistin Jurymitglied für den alle zwei Jahre vergebenen Hoffmann-von-Fallersleben-Preis (seit 2003) und Mitglied im Beirat des NDR-Sachbuchpreises, der jährlich vergeben wird.

1999 veröffentlichte Stephan unter dem Pseudonym Anne Chaplet ihren ersten Kriminalroman. Mittlerweile sind zahlreiche weitere erschienen, für die sie zweimal den Deutschen Krimipreis sowie den Krimipreis von Radio Bremen erhalten hat.

Ihr aktuelles Sachbuch “Angela Merkel ein Irrtum” ist seit Februar 2011 im Buchhandel erhältlich.

Wir trafen Cora Stephan auf dem Frankfurter Börsenplatz während des Wochenmarkts.



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Mittendrin – Kulturgut Wochenmarkt

Wochenmärkte haben auch in Frankfurt eine große geschichtliche Tradition und sind ein Teil der Kultur dieser Stadt. Bereits im Mittelalter war Stadtrecht auch immer Marktrecht. Es regelte die Versorgung der Bürger innerhalb einer Stadt durch Waren von außerhalb.


Mitten in Frankfurt finden Einwohner der Stadt und der Umgebung seit 1996 jeden Freitag an 50 Marktständen ein großes Angebot an frischen Waren. Hier werden vor allem heimische Produkte frisch vom Landwirt und Erzeuger sowie Angebote der regionalen Küche (z. B. grüne Soße, Bratkartoffeln, Bratwurst, Wein und Apfelwein) angeboten. Anwohner, Geschäftsleute, Angestellte, Musiker treffen sich an den Ständen, um zwanglos Geschichten und Nachrichten auszutauschen.


Cora Stephan besucht regelmäßig diesen Wochenmarkt und genießt die persönlichen Kontakte zu Verkäufern bzw. Erzeugern.
So führen auch wir unser Gespräch mittendrin im Wochenmarktgeschehen in unmittelbarer Nähe zur Börse.

Stephan liebt Biographien und Geschichten über Menschen, die unerwartet Erfolge erreichen. So wie bei einigen Marktbauern, die sie persönlich kennt und deren aufstrebenden Werdegang sie verfolgt hat. Gerne ist sie auf dem Markt im Gespräch mit Verkäufern und Käufern oder beobachtet einfach die Menschen.

Die Figuren in ihren Kriminalromanen entwickelt die Schriftstellerin sehr detailreich und biografisch.
“Wenn Du eine Figur von der Geburt über den persönlichen, schulischen und beruflichen Werdegang entworfen hast, kannst du ihr nicht etwas zumuten, was nicht zu ihrem Charakter passt. Der Entwurf muss stimmen. Das mühevolle Arbeiten an jedem Detail macht mir aber großen Spaß. Erst wenn das gelingt, folgen die Figuren ihren eigenen Weg”, erklärt uns Stephan.

Über die Kanzlerin habe die Publizistin nur schreiben können, weil sie diese nicht persönlich besucht habe. “Wenn ich sie kennen gelernt hätte, hätte ich sie womöglich gemocht und das hätte mein Urteil verfälscht. Ich habe über das geschrieben, was ich von ihr wahrnehme, das was wir alle wahrnehmen und darüber, was ihre Politik für uns bedeutet”, meint Cora Stephan.


Die Idee zum Buch entsprang aus Enttäuschung. Denn, so die Autorin:
“Ich habe Angela Merkel mit Freude gewählt, weil sie für einen kurzen Moment eine historische Chance verkörperte. Angela Merkel kam mit fremden Blick in dieses Amt, war erfrischend und eine Frau, die mit ihrem Frausein keine symbolische Politik gemacht hat, sondern nüchterne Realitätssicht bewies. Von der mutigen ‘Reform Merkel’ ist aber nichts mehr übrig geblieben und mittlerweile bin ich der Meinung, dass wir unter Niveau regiert werden.”


Zurück von der Politik ins Krimi-Genre: Nichts fasziniert die Menschen so sehr wie Geschichten über Verbrechen, Verfolgung und Aufklärung.
Aktuell schreibt Cora Stephan einem neuen Kriminalroman.
Dabei ist die Schriftstellerin davon überzeugt, dass Figuren und Mordfälle in Romanen immer konstruiert sind und niemals die Wirklichkeit abbilden. “Insbesondere Serienmorde gibt es in der Realität verdammt selten, aber wenn man nach uns Krimiautoren ginge, wären so manche Orte menschenleer”, konstatiert die Schriftstellerin lachend.

Wir sind sehr gespannt auf ihren neuesten Kriminalfall und wünschen Cora Stephan einen inspirierenden Aufenthalt in ihrem “Schreibexil” in Frankreich.