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Carlos Garcia Piedra

Mai 21, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

“Immer zu, immer zu – dreht euch, wälzt euch.” Woyzek

Carlos Garcia Piedra wurde 1966 in Spanien geboren. Im schulfähigen Alter zog er als Kind spanischer “Gastarbeiter” nach Köln.


In der Nähe des Kölner Theaters TIEFROT, in dem Garcia später etliche Rollen spielen würde, lernte der junge Spross in der sog. Vorbereitungsschule deutsch.
“Nach meinem freien Leben in der Nähe von Madrid war Deutschland ein Kulturschock für mich”, erläutert uns der Schauspieler.
Garcia war ein schwieriger Schüler. Aber sein Vater, dem als Opern- und Filmliebhaber Bildung sehr wichtig war, nahm großen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung seines Sohnes.
Erste prägende Theatererfahrungen machte Garcia Junior mit 14 Jahren. Bertold Brechts Stück “Furcht und Elend” weckte in ihm die Leidenschaft, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erobern.
Aber zunächst absolvierte Garcia eine “seriöse” Ausbildung als Speditionskaufmann, arbeitete in einer Kunstspedition und kam dort mit vielen, mittlerweile hochdotierten Künstlern und Kunstwerken in Kontakt.

“Soll ich? Muss ich?” Woyzek
Carlos Garcia Piedra musste! Dem inneren Verlangen folgend, kündigte er den sicheren Job, bewarb sich 1991 an der Folkwang Universität der Künste und erhielt dort beim ersten Vorsprechen die ernüchternde Einschätzung: “Sie sind doch Kaufmann. Wie kommen Sie darauf Schauspieler werden zu wollen?”

Der erste Versuch, den geraden Weg einzuschlagen, endete mit der Erkenntnis: “In diesem Beruf geht es nicht nur um Talent, sondern auch um Politik”.

Carlos Garcia Piedra ließ sich nicht einschüchtern, nahm Privatunterricht bei renommierten Schauspiel- und Sprechlehrern wie Christoph Hilger und Manfred Schwabe und kann mittlerweile auf etliche Theater- aber auch Film- und Fernseh-Engagements sowie (Synchron-)Sprecherrollen zurück blicken.

2007 wurde der Schauspieler für den Kölner Theaterpreis („Die Grönholm Methode“, Theater TIEFROT) nominiert. Zuletzt spielte er in Büchners Drama “Woyzeck”.

Wir trafen Carlos Garcia Piedra im COMEDIA Theater, Köln



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Seit über 25 Jahren steht das COMEDIA Theater Köln für anspruchsvolle Theaterarbeit.
Der Vorstellungsbetrieb stützt sich auf fünf Programm-Bereiche. In zwei Sälen werden Eigenproduktionen in den Bereichen Kindertheater und Junges Theater sowie hochkarätige Gastspiele aus Kabarett & Comedy sowie Theater, Tanz und Konzerte, Lesungen präsentiert. Außerdem finden theaterpädagogische Kurse und professionelles Schauspieltraining in dem ehemaligen Feuerwehrgebäude statt. Mit seinen spielplanbegleitenden Angeboten sieht sich das Haus deshalb auch als Einrichtung der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche.

“Es wartet keiner auf Dich. Wo Du nicht bist, wirst Du nicht gesehen.”


Im Comedia Theater trifft Carlos Garcia Piedra regelmäßig Kollegen. Hier tauscht man sich über neue Produktionen aus, erzählt sich verschiedene Neuigkeiten und diskutiert z.B. auch über die Auswirkungen des Schauspieler-Überangebots. Aufgrund ungenügender Kulturfinanzierung durch die öffentliche Hand, scharfer Konkurrenzkämpfe kleiner Produktionsfirmen usw. werden Schauspielern oft unsichere und schlecht bezahlte Arbeitsbedingungen geboten.


Wer den Schauspieler als begnadeten Künstler und gefeierten Star betrachtet, orientiert sich an den wenigen Bühnengrößen und Fernsehberühmtheiten und übersieht dabei, dass sich für den größten Teil dieser Berufsgruppe der Arbeitsalltag zwischen temporärer Arbeitslosigkeit, kurzfristigen Engagements, Saisonverträgen in Tourneetheatern und zermürbenden Kämpfen um die Gunst von Intendanten und Regisseuren abspielt.

“In diesem Beruf darfst Du Dir keine Pause gönnen”, meint Garcia, denn nicht nur die Beschäftigungsbedingungen sondern auch die darstellerische Arbeit stellen hohe Anforderungen an den Schauspieler.
Einerseits beansprucht die intensive Auseinandersetzung mit der darzustellenden Figur große mentale und intellektuelle Fähigkeiten und andererseits erfordert das Rollenhandeln, das sich sehr häufig in mindestens Zwei-Personen-Dialogen vollzieht, eine hohe soziale Kompetenz.

“Es gibt nicht nur den einen Weg, jeder kommt auf seine eigene Art zu seiner Rolle. Ich glaube an meine kontinuierliche Entwicklung als Schauspieler”, resümiert Carlos Garcia Piedra und wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg dabei.