auf Kultour mit …

Begegnungen
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Yasemin und Ali Balaban

April 30, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

Kulturelle Vielfalt – gelebte Integration

Ali Balaban, 1957 in Istanbul geboren, führt seit über 30 Jahren das Restaurant Bosporus in der Kölner Weidengasse.
Der leidenschaftliche Gastronom absolvierte erfolgreich ein Architekturstudium an der Fachhochschule in Köln, bevor er sich 1983 in der Gastronomie selbstständig machte.

Balabans Philosophie war es immer, Menschen in der Funktion eines Brückenbauers zusammenzuführen, sie miteinander in Kontakt zu bringen und etwas zu ihrem Wohlbefinden beizutragen.
Von dieser Devise lässt er sich bis heute leiten.


Yasemin Balaban, ist Groß- und Außenhandelskauffrau, arbeitete in der Marketingabteilung von Aurora und ist derzeit im Bereich Immobilien der GALERIA Kaufhof GmbH tätig. Im Bosporus ist sie für die PR und das Wohl der Gäste zuständig.

Das Ehepaar betrachtet Essen als soziales Ereignis und Brücke zwischen den Kulturen.
Dabei sind beide überzeugt, dass eine Integration nur gelingen kann, wenn man sich die Wurzeln der eigenen Kultur bewahrt und sich ihrer von Zeit zu Zeit vergewissert.

Und so ist das Bosporus nicht nur eines der in Köln ältesten und bundesweit angesehensten türkischen Restaurants mit konstant hochwertiger türkischer Küche, sondern auch “Tourismusbüro” sowie Auskunftsstelle für viele Belange des täglichen Lebens.


Die legendäre Weidengasse
Wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, zwischen dem Eigelstein und dem Hansaring bietet die Weidengasse ein anderes Stück Kölns.
In dieser Straße leben Gegensätze miteinander. Zahlreiche Kulturen und Nationalitäten begegnen sich auf engem Raum und es findet eine bunte Mischung orientalischen und südländischen Lebens und Arbeitens statt.

Vor einigen Jahrzehnten trauten sich viele Gäste, insbesondere Frauen nur mit Bodygards in dieses Viertel. Dazu, dass sich die Menschen nun wieder sicher fühlen und auch die Wohnqualität aufgewertet wurde, haben Yasemin und Ali Balaban einen großen Beitrag geleistet.
Denn so Yasemin Balaban: “Als immer mehr Menschen zu uns gekommen sind, um von ihren Sorgen in diesem Viertel zu berichten, mussten wir etwas tun.”
So gründeten die Eheleute vor 10 Jahren eine Interessengemeinschaft.
In dieser parteiunabhängigen Initiative versammelten sie Anwohner, alteingesessene Geschäftsinhaber, Vertreter der Stadt Köln, Polizei, Integrationsamt und Ordnungsamt.
Was zunächst als lose Versammlung gestartet wurde, hat sich nun zu einer festen Initiative entwickelt, die sich quartalsweise trifft und viele konkrete Erfolge erzielt hat.

Nicht nur eine Frage der Persönlichkeit, der Haltung und Einstellung, sondern auch der Ehre!


Wenn er ein wesentliches Ziel seiner täglichen Arbeit als Restaurantchef nennen sollte, dann “Alle meine Gäste sollen sich wohlfühlen und später glücklich das Restaurant verlassen”, so Ali Balaban.
Diese Einstellung hat Balaban vor über 5 Jahren die Mitgliedschaft in der „Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs“ beschert, eine Ehre die dem Bosporus als einzigem türkischen Restaurant in Deutschland zuteil wurde.

Balaban, der auch das Berufskolleg – Hotelfachschule berät, ist der Überzeugung, in der Gastronomie brauche es Bildung, Disziplin und Durchhaltevermögen.
Und so führt der Quereinsteiger das Restaurant und den Cateringservice (u.a. als Partner der Stadt Köln und Exklusivpartner des Schokoladenmuseums für türkische Küche) gut strukturiert und mit ganz persönlicher Note.

Denn so Balaban: “Es reicht nicht wenn sich niveauvolle Gastronomie durch hervorragende Küche auszeichnet. Es gehört schon etwas mehr dazu. Ohne Liebe geht es nicht.”


Ali Balaban ist nicht nur ein kreativer Gastronom, sondern er vertritt eine eigene Philosophie im Umgang mit den Menschen.
Ob Staatsgast, Prominenter oder Normalbürger, jeden Gast behandelt Balaban gleich gut.
Zu seinen Gästen gehörten bereits Politprominenz wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Ex-Bundespräsident Horst Köhler, sowie Schauspieler Götz George und die Moderatoren Alfred Biolek und Margarethe Schreinemakers.
Einige sind bis heute Stammkunden geblieben.

Grundsätzlich werben die bescheidenen Eheleute nicht mit ihren prominenten Gästen. Deshalb findet man im Restaurant – anders als in anderen Lokalen – kein einziges Foto von den Gastronomen zusammen mit Prominenten.
Auch die Presse muss draußen bleiben.

Vor einigen Jahren hatte der Kölner Galerist Michael Werner das Bosporus für 30 Personen gemietet.
An einer langen Tafel feierten u.a. Künstler wie Penck, Baselitz, Immendorf und Lüpertz zu orientalischer Musik und Darbietungen.
Die Gesellschaft hatte sich statt für ein Lokal in Paris oder New York für das Kölner Restaurant Bosporus entschieden.


Am Ende durften auch wir uns nicht nur von der familiären Atmosphäre, sondern auch von der vorzüglichen türkischen Küche, die von Chefkoch Seydi Citak
zubereitet wird, überzeugen.

Das war sicher nicht unser letzter Besuch bei Yasemin und Ali Balaban.

Cora Stephan

April 13, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

“Schreiben ist wie das Formen einer Skulptur. Ich schnitze solange bis alles sitzt. “

Dr. Cora Stephan, 1951 bei Osnabrück geboren und aufgewachsen, studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Hamburg und Frankfurt am Main. 1976 promovierte sie über die Geschichte der Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert.


Die Schriftstellerin und Publizistin lehrte an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität (1976 bis 1983), arbeitete als Rundfunkmoderatorin, Lektorin und Journalistin (“Pflasterstrand”, “Spiegel”) und publizierte Essays und Kommentare.

In ihrem ersten Buch „Genossen, wir dürfen uns nicht von der Geduld hinreißen lassen!“ (1979) beschrieb sie die Anfänge der Sozialdemokratie.
Mit „Ganz entspannt im Supermarkt“ (1985) wurde sie Bestsellerautorin.

Seit 1987 arbeitet Cora Stephan als freie Publizistin, Kolumnistin und Essayistin (u.a. für alle Rundfunkanstalten, die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, die “Welt”) sowie als Buchautorin und Vortragende.




Themen ihrer Veröffentlichungen sind: Geschichte und Politik, Frauen und Wirtschaft, Alter und Demografie.

Desweiteren war die Publizistin Jurymitglied für den alle zwei Jahre vergebenen Hoffmann-von-Fallersleben-Preis (seit 2003) und Mitglied im Beirat des NDR-Sachbuchpreises, der jährlich vergeben wird.

1999 veröffentlichte Stephan unter dem Pseudonym Anne Chaplet ihren ersten Kriminalroman. Mittlerweile sind zahlreiche weitere erschienen, für die sie zweimal den Deutschen Krimipreis sowie den Krimipreis von Radio Bremen erhalten hat.

Ihr aktuelles Sachbuch “Angela Merkel ein Irrtum” ist seit Februar 2011 im Buchhandel erhältlich.

Wir trafen Cora Stephan auf dem Frankfurter Börsenplatz während des Wochenmarkts.



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Mittendrin – Kulturgut Wochenmarkt

Wochenmärkte haben auch in Frankfurt eine große geschichtliche Tradition und sind ein Teil der Kultur dieser Stadt. Bereits im Mittelalter war Stadtrecht auch immer Marktrecht. Es regelte die Versorgung der Bürger innerhalb einer Stadt durch Waren von außerhalb.


Mitten in Frankfurt finden Einwohner der Stadt und der Umgebung seit 1996 jeden Freitag an 50 Marktständen ein großes Angebot an frischen Waren. Hier werden vor allem heimische Produkte frisch vom Landwirt und Erzeuger sowie Angebote der regionalen Küche (z. B. grüne Soße, Bratkartoffeln, Bratwurst, Wein und Apfelwein) angeboten. Anwohner, Geschäftsleute, Angestellte, Musiker treffen sich an den Ständen, um zwanglos Geschichten und Nachrichten auszutauschen.


Cora Stephan besucht regelmäßig diesen Wochenmarkt und genießt die persönlichen Kontakte zu Verkäufern bzw. Erzeugern.
So führen auch wir unser Gespräch mittendrin im Wochenmarktgeschehen in unmittelbarer Nähe zur Börse.

Stephan liebt Biographien und Geschichten über Menschen, die unerwartet Erfolge erreichen. So wie bei einigen Marktbauern, die sie persönlich kennt und deren aufstrebenden Werdegang sie verfolgt hat. Gerne ist sie auf dem Markt im Gespräch mit Verkäufern und Käufern oder beobachtet einfach die Menschen.

Die Figuren in ihren Kriminalromanen entwickelt die Schriftstellerin sehr detailreich und biografisch.
“Wenn Du eine Figur von der Geburt über den persönlichen, schulischen und beruflichen Werdegang entworfen hast, kannst du ihr nicht etwas zumuten, was nicht zu ihrem Charakter passt. Der Entwurf muss stimmen. Das mühevolle Arbeiten an jedem Detail macht mir aber großen Spaß. Erst wenn das gelingt, folgen die Figuren ihren eigenen Weg”, erklärt uns Stephan.

Über die Kanzlerin habe die Publizistin nur schreiben können, weil sie diese nicht persönlich besucht habe. “Wenn ich sie kennen gelernt hätte, hätte ich sie womöglich gemocht und das hätte mein Urteil verfälscht. Ich habe über das geschrieben, was ich von ihr wahrnehme, das was wir alle wahrnehmen und darüber, was ihre Politik für uns bedeutet”, meint Cora Stephan.


Die Idee zum Buch entsprang aus Enttäuschung. Denn, so die Autorin:
“Ich habe Angela Merkel mit Freude gewählt, weil sie für einen kurzen Moment eine historische Chance verkörperte. Angela Merkel kam mit fremden Blick in dieses Amt, war erfrischend und eine Frau, die mit ihrem Frausein keine symbolische Politik gemacht hat, sondern nüchterne Realitätssicht bewies. Von der mutigen ‘Reform Merkel’ ist aber nichts mehr übrig geblieben und mittlerweile bin ich der Meinung, dass wir unter Niveau regiert werden.”


Zurück von der Politik ins Krimi-Genre: Nichts fasziniert die Menschen so sehr wie Geschichten über Verbrechen, Verfolgung und Aufklärung.
Aktuell schreibt Cora Stephan einem neuen Kriminalroman.
Dabei ist die Schriftstellerin davon überzeugt, dass Figuren und Mordfälle in Romanen immer konstruiert sind und niemals die Wirklichkeit abbilden. “Insbesondere Serienmorde gibt es in der Realität verdammt selten, aber wenn man nach uns Krimiautoren ginge, wären so manche Orte menschenleer”, konstatiert die Schriftstellerin lachend.

Wir sind sehr gespannt auf ihren neuesten Kriminalfall und wünschen Cora Stephan einen inspirierenden Aufenthalt in ihrem “Schreibexil” in Frankreich.

Gregor Zootzky

März 30, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

“Ich mag die Zwischenwelt. Hermaphroditismus ist mein aktuelles Thema!”

Gregor Zootzkys neuestes Filmprojekt behandelt ein altes und dennoch vielen Menschen wenig bekanntes Phänomen: Intersexualität oder Zwischengeschlechtlichkeit.

Der Künstler und Filmemacher wurde 1971 in Adenau geboren. Aufgewachsen in der Umgebung von Bad Münstereifel schloss er zunächst eine Ausbildung zum Tischler ab, besuchte später ein Art College der staatlichen Kunst- und Kultureinrichtung National Gallery of Namibia in Windhoek und erlernte manuelle Druckgrafiken.

© Weigand

An der ABK (Akademie Beeldende Kunsten) in Maastricht studierte Zootzky Bildende Kunst mit Schwerpunkt Malerei.
Eine Teilnahme am EU-Austauschprogramm Erasmus ermöglichte ihm, ein Semester an der Kunstakademie in Prag (VSUP) zu studieren.
Die Kunstakademie verließ er mit dem niederländischen Diplom, um kurz darauf in Köln an der Weiterbildung „traditioneller Zeichentrickfilm“ der ifs Internationale Filmschule teilzunehmen.

Bis heute hat Zootzky nicht nur an vielen Zeichentrick- und Kurzfilmprojekten, sondern auch an Langfilmen wie Der Kleine Eisbär 2 und Kleiner Dodo mitgearbeitet.

Inspiriert durch eine jahrelange Künstlerassistenz bei der Künstlerin Mary Bauermeister produzierte der Filmemacher 2009 seinen ersten geförderten Film psst pp Piano – Hommage à Mary Bauermeister.
Von der FBW Deutsche Film- und Medienbewertung wurde der Animationsfilm mit dem höchsten Prädikat „besonders wertvoll“ und zum Kurzfilm des Monats März 2010 ausgezeichnet.
Gregor Zootzky lebt und arbeitet in Köln.

Wir trafen Gregor Zootzky am Japanischen Kulturinstitut in Köln.

Träger, dieser im Jahre 1969 von der japanischen Regierung gegründeten Kultureinrichtung, ist The Japan Foundation.
Die Japan Foundation unterhält in Rom und Paris noch weitere europäische Kulturinstitute und verfolgt das Ziel, das Verständnis für die japanische Kultur und Kunst zu fördern sowie sprach- und gesellschaftswissenschaftliche Japanstudien im gesamten europäischen Raum zu stärken und auszuweiten.

© Weigand


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In den Räumen des Japanischen Kulturinstituts finden regelmäßig Ausstellungen sowohl zeitgenössischer als auch traditioneller Kunst statt.
Im Rahmen von Filmreihen werden japanische Regisseure vorgestellt und Vortragsreihen sowie Bühnenvorführungen mit Bezug zu Japan veranstaltet.
Gregor Zootzky stellt hier nicht nur einen Bezug zu seiner beruflichen Tätigkeit her, sondern traf die Ortswahl auch angesichts der aktuellen Ereignisse in Japan.

“Ich will mich den japanischen Menschen gegenüber solidarisch erklären. Gerade jetzt habe ich wieder viel gelernt. Wir müssen umdenken. Jetzt und hier”, so der Künstler.

Das dritte Geschlecht – Mythologie und gesellschaftliche Randstellung

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Gregor Zootzky mag es Geschichten zu erzählen.
Aber “Ich will Themen darstellen, von denen die Gesellschaft profitiert”, betont der Filmemacher.

Ausgangsmaterial seiner Filme sind viele Einzelbilder.
Dazu zeichnen er und sein Team viele Tage, Wochen und Monate Bild für Bild.
In der richtigen Reihenfolge auf Film aufgenommen, wird eine flüssige Bewegung erzeugt und es entsteht ein Animationsfilm.

Sein aktuelles Projekt wird eine Dauer von 10 Minuten haben und trägt den Titel Hermaphrodit.

Ursprünglich ist Hermaphroditos (griechisch Ἑρμαφρόδιτος) eine in der Griechischen Mythologie verehrte männliche Gottheit. Nachdem durch das Wirken der Götter sein Körper mit dem der Nymphe Salmakis verschmolzen wird, wird er zum Zwitter, der somit sowohl männliche als auch weibliche körperliche Merkmale aufweist.

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In der Biologie bezeichnet Hermaphroditismus oder Zwittrigkeit bzw. Zwittertum doppelgeschlechtliche Individuen, also Individuen mit männlicher und weiblicher Geschlechtsausprägung.
Insbesondere im Pflanzenreich und bei wirbellosen Tieren ist die Zwittrigkeit weit verbreitet.

Die heutige Bezeichnung von intersexuellen Menschen als Hermaphroditen bzw. das Phänomen des Hermaphroditismus gilt als Anlehnung an den griechischen Mythos.

In der literarischen Bearbeitung fand das Thema im Jahr 2003 große Beachtung. Jeffrey Eugenides erhielt für seinen Roman „Middlesex“ den Pulitzer-Preis.

Nicht nur Eugenides Roman sondern auch viele andere literarische und wissenschaftliche Quellen, Gespräche mit Betroffenen sowie der Besuch einer Konferenz des Deutschen Ethikrats in Berlin inspirierten den Filmemacher Zootzky zu der Filmidee.
“Das ist ein Thema, da spricht man nicht gerne drüber. Intersexualität stellt das ganze Leben auf den Kopf. Ich mag Grenzthemen. Mich interessiert die Mythologie, aber auch die gesellschaftliche Randstellung.”

Im Sommer 2011 wird Gregor Zootzky mit der Filmarbeit beginnen und das Werk soll spätestens im Sommer 2012 fertiggestellt sein.
Denn so der Künstler: “Manche Filmemacher arbeiten 3 Jahre an Filmen, die 4 Minuten dauern. Das langweilt mich.”

Bettina Fischer und Insa Wilke

März 22, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

Ohne Quote an die Spitze

Gleich zwei Frauen führen das Literaturhaus Köln.

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Die gebürtige Hamburgerin Bettina Fischer (im Bild rechts) ist seit 11 Jahren Geschäftsführerin des Literaturhaus Köln e.V..
Nach dem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Geschichte in Hamburg und Berlin und mehrjähriger Verlagstätigkeit wechselte sie 2000 in die Geschäftsführung nach Köln.

Insa Wilke wurde in Bremerhaven geboren und studierte in Göttingen Deutsch und Geschichte. 2009 promovierte sie an der Freien Universität Berlin mit einer Dissertation über Thomas Brasch. Wilke übte Lehrtätigkeiten in Berlin und Hildesheim aus und arbeitete als Literaturkritikerin und Moderatorin von Lesungen. Seit Juli 2010 ist sie Programmleiterin des Kölner Literaturhauses.


Lebendiger Umgang mit Menschen in der Begegnung mit Literatur
1996 wurde das Literaturhaus von engagierten Kölner Bürgern gegründet. Träger ist ein Verein. Bis heute wird es zu 60% privatwirtschaftlich finanziert. Die Stadt Köln bezuschusst einen Betriebskostenanteil.
Mit mehr als 800 Mitgliedern ist das Kölner Haus Vorreiter in der privaten Literaturszene. Kein Literaturhaus im Netzwerk der Literaturhäuser, dem Institutionen von Berlin, Frankfurt a.M., Stuttgart, München, Hamburg, Rostock bis Graz, Zürich und Salzburg angehören, kann sich so vieler ambitionierter Literaturfreunde versichern.

Veranstaltungsraum für max. 180 Besucher


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Seinen heutigen Standpunkt in der Schönhauser Str. 8 bezog das Kölner Literaturhaus 2007. Im Gebäude sind neben dem Forum für Fotografie, Galerien und ein Literaturcafé.
Das Programm des Kölner Literaturhauses bietet mit 100 Veranstaltungen im Jahr vielfältige Möglichkeiten zur Begegnung und Auseinandersetzung mit Literatur. Im Mittelpunkt stehen lesenswerte deutschsprachige und internationale Literatur, aber auch interdisziplinäre Projekte in Interaktion mit Musik, Kunst oder Medien.

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“Das Besondere des Kölner Literaturhauses ist die enge Verbindung zwischen Publikum und Haus”, so Wilke.
Fischer und Wilke betrachten ihre Arbeit als lebendigen Umgang mit Menschen und sie sind davon überzeugt, dass außer fachlicher Kompetenz, Lebenserfahrung und soziale Kompetenz eine große Rolle bei ihrem Tun spielen.
Besonders wichtig ist den beiden engagierten Frauen, ihrem Publikum eine intensive Auseinandersetzung mit einzelnen Autoren oder Werken zu ermöglichen.
Deshalb bezieht das Führungsteam ständig nachhaltige und lebendige Vermittlungsformen in die Planung ein.

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“In der Begegnung mit Literatur erschließt sich ein weites Feld. Literatur ist immer etwas Eigenes, ein neues Erlebnis und das Tor zu einer Welt, das jeder für sich öffnen kann”, erläutert uns Bettina Fischer.
Vielfältige Veranstaltungsreihen, darin enthalten: Lyrikfestivals und Preisverleihungen prägen das Programm des Kölner Literaturhauses.

Gemeinsam mit dem Kölner Stadt-Anzeiger organisiert das Literaturhaus die jährliche Aktion „Ein Buch für die Stadt“, bei der in einem zweiwöchigen Veranstaltungsrahmen ein ausgewähltes Buch in ganz Köln vorgestellt und diskutiert wird.

Mehr als 1500 Schriftsteller hatte das Literaturhaus bereits zu Gast, darunter die Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk (2006) und Herta Müller (2009) sowie bekannte Autoren wie Paul Auster, Salman Rushdie und Umberto Eco, aber auch junge Autoren und Autorinnen mit ihren ersten Veröffentlichungen.
So widmet sich der „Klub Junge Literatur“ speziell dem Werk von Autoren, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen.

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“Der Bezug zur Literatur sollte bereits sehr früh hergestellt werden, denn wer gelernt hat, dass Bücher gekauft, ausgeliehen und gelesen werden können, bleibt dabei”, meint Wilke.
Darum engagiert sich das Kölner Literaturhaus besonders für die Jugendarbeit.
Bereits 2007 wurde das erste bundesdeutsche Junge Literaturhaus, dass ein eigenständiges Programm für ein jugendliches Publikum anbietet, gegründet.
Durch Lesungen und Schreib-Werkstätten, Wettbewerbe, Atelier- und Verlagsbesuche, aber auch Hörspiel- und Literaturfilmabende wird hier die Beziehung von Jugendlichen zur Literatur gefördert.
Einmal im Monat findet der Workshop „Die Schreibbar“ statt, der zum kreativen Schreiben anregt und die jungen Teilnehmer des “MeinBlock”-Workshops bringen literarische und journalistische Texte im eigenen Online-Magazin heraus.

Dass das Buch auch im digitalen Zeitalter weiterhin eine große Rolle spielen wird, davon ist die weibliche Führungsspitze des Kölner Literaturhauses überzeugt.
Insa Wilke erklärt dies so: “Das Buch hat in Europa als Bildungsgut noch eine sehr große Bedeutung. Unser Publikum hält sehr gerne ein Buch in der Hand.”
“Und die Neugier der Menschen an der Begegnung mit Autoren wächst”, resümiert Bettina Fischer.

Lutz Göbelsmann

Februar 07, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

“Ich erfinde mich immer wieder neu.”

Lutz Göbelsmann gehört zur Riege der Kölner Jung-Galeristen.
Im Herbst 2007 eröffnete er seine Galerie TEAPOT ohne Vorwissen und ohne akademische Ausbildung. Göbelsmann ist Autodidakt.
Nach der Schule übte er unterschiedliche Tätigkeiten aus, arbeitete z.B. als Gastronom, Kunst-, Textil- und Schmuckhändler.

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Auf seinen vielen Reisen u.a. durch Afrika und Mittelamerika fotografierte Lutz Göbelsmann alles, was ihm wichtig schien und entdeckte dabei seine Liebe zur Kunstfotografie.
Sein ausgeprägtes Interesse für zeitgenössische Kunst und seine große Sammelleidenschaft machten ihn schließlich zu einem Galeristen, der in der Galerieszene aufzufallen weiß.

“Ich habe nie Kunstgeschichte studiert, in keiner Sammlung oder Galerie gearbeitet und keine kaufmännische Ausbildung absolviert. Ich musste mir alles selbst beibringen.”

Die erste Ausstellung der Galerie TEAPOT eröffnete im Frühjahr 2008 mit Beginn der Weltwirtschaftskrise und erntete viel Anerkennung von unterschiedlichen Institutionen und Presse.
Dem schnellen Einstieg ins Messegeschäft (Art.Fair, Köln/ Art Cologne) folgte Stillstand und Bangen.
Aber Göbelsmann hat nicht aufgegeben, sondern ist den, wie er selbst sagt “langen, harten und steinigen Weg” beharrlich weiter gegangen.
Heute – nach einigen Teilnahmen bei der Viennafair und Volta NY – ist er “langsam dort angekommen”, wo er hin wollte und schreibt mittlerweile “schwarze Zahlen”.

Wir besuchten den Galeristen in seiner Galerie in der Kölner Südstadt. Unter dieser Adresse ist die Galerie TEAPOT nur noch bis Ende Februar zu finden, da Göbelsmann im Frühjahr diesen Jahres neue, größere Räume am Rande des Belgischen Viertels in Köln bezieht.

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Kontrovers, international und zeitgenössisch ist die Philosophie der Ausstellungen in der Galerie TEAPOT.

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Lutz Göbelsmann vertritt internationale Künstler, die aus verschiedenen, der Kunst angrenzenden Bereichen entstammen.
Ganz bewusst verbindet der Galerist unterschiedliche kreative Welten, wie die der Fotografie, der Tättowierkunst oder dem Modedesign miteinander.

Damit hebt sich Göbelsmann gegenüber der traditionellen Galerieszene deutlich ab.

Wenn er Künstler aussucht, entscheidet er nicht nach Schule, Stil oder Herkunft, sondern nach Persönlichkeit.
Einen starken Charakter müssen seine Künstler mitbringen. Sie sollen eigene Wege gehen, dabei selbständig und unabhängig arbeiten.
Quereinsteiger mag er besonders gerne.

“Verträge mache ich keine. Ich vertraue meinen Künstlern,” bemerkt der Galerist.

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Göbelsmann beschäftigt sich eingehend mit Kunst, er liest viel, besucht viele Künstler in deren Ateliers und will dabei immer “Neues” sehen.

“Aus dem Nichts heraus entsteht nichts. Einflüsse sind immer enthalten, aber diese müssen nicht aus der Kunst kommen,” stellt Lutz Göbelsmann fest und findet das “Neue” in Material und Inhalt sowie in der besonderen Art der Darstellung.

Auch wenn künstlerische Arbeit immer im Kontext von Weltgeschichte und Politik steht, ist Göbelsmann der Meinung: “Kunst muss sich im Hier und Jetzt abspielen.”
Derzeit hat der Kölner Galerist 13 Künstler im Programm und veranstaltet etwa 7 bis 8 Ausstellungen im Jahr.
In den neuen Räumen in der Herwarthstraße wird Göbelsmann sogar zwei Ausstellungen parallel zeigen können.

Wir sind sicher: Mit dem Umzug wächst nicht nur die Größe der Galerie, sondern auch der Stamm der TEAPOT-Fans und Kunstsammler.